Die kleine Schwester der Liebe

7,95 

Miniaturen des Lebens. Kleine Geschichten, Erlebnisse und Betrachtungen über Liebe, Freundschaft, Sehnsucht, Hoffnung, Glück, Lachen und Weinen.

Beschreibung

Buchauszug:
Die Segen der Emanzipation
An einem weinseligen Abend haben ein paar Freun­dinnen und ich neulich darüber diskutiert, ob uns die Emanzipation das gebracht hat, was wir uns von ihr erhofft haben. Und unsere Antwort darauf ist weiß Gott nicht positiv ausgefallen, im Gegenteil.

Thema Job.
Die Vorstellung, in Designerkostüm und auf Fuck-me-Shoes dem Erfolg entgegen zu stöckeln, klingt für manche Ohren vielleicht verlockend, ist es aber nicht. Tag für Tag perfekte Leistung bringen zu müssen, und dabei noch in Konkurrenzkampf mit allem und jedem (jeder) zu stehen, ist Stress pur. Es gibt – nicht wenige – Tage, an denen ich mir wünsche, von morgens bis abends nichts anderes zu tun, als Bohnen zu schnibbeln. Oder Marmelade zu kochen. Oder meine Bude umzudekorieren. Oder im Garten Unkraut zu jäten. Oder die Maximilianstraße entlang zu flanieren und für teures (vom nicht vorhandenen Gatten verdientes) Geld die zigste Klamotte zu kaufen. Nix da, ich muss arbeiten, Ideen und Texte kreieren und dann auch noch überzeugend an den Mann (!) bringen.

Apropos Mann:
Vor gar nicht allzu langer Zeit war ich aktives Mitglied im Chor der Alice-Schwarzer-Singers. Voller Inbrunst habe ich das Anti-Macho-Lied geschmettert und nach dem ultimativen Softie gefahndet. Heute verfluche ich diese von uns Frauen im Reagenzglas der 68er Jahre entwickelte Spezies. Mit trübsinnigem Gesichtsausdruck hockt sie auf meinem Sofa, belabert mich in epischer Breite mit ihrem Bezie­hungs­dilemma, und wehe, ich komme mit eigenen Problemchen. „Ach, Renate, du bist so stark, du schaffst das schon!“ Und dann lamentiert es weiter, das Weichei.
Thema Sex. Ich erinnere mich an Zeiten, in denen die Männer glaubten, sie seien die nie alternde Re­in­kar­nation Casanovas und müssten uns dreimal täglich den Hengst machen. Heute zählen sie Falten im Gesicht und Resthaare auf der Platte, kaufen Feuch­tig­keitscreme und Augenmasken, messen Bauchspeck-Volumen und Blutdruck, essen DHEA und Viagra und schlafen trotzdem bei der Sportschau ein.

Thema Küche. Früher wussten die Männer nicht mal, was „al dente“ bedeutet und haben dankbar alles verzehrt, was ihnen serviert wurde. Heute verwickeln sie einen in lästige Diskussionen über die optimale Zube­reitung von Loup de Mer in Salzkruste und Lachs-Carpaccio.

Thema Charme. Früher hielten Männer den Frauen die Auto­tür auf, halfen ihnen in den Mantel, beglückten sie mit Blumen und Preziosen und transportierten für sie schwere Gegenstände von einem Zimmer ins andere. Heute müssen wir froh sein, wenn sie nicht davon fahren, bevor wir auf dem Autositz hocken, den Mantel müssen wir selber aus dem Gewühl in der Garderobe zerren, und für Blumen in der Vase und ein güldenes Ringlein mit Brilli oder eine Halskette dürfen wir selber blechen. Am meisten aber begeistert mich der mit leidendem Gesichts­ausdruck ausgestoßene Hinweis auf das verrenkte Kreuz, sobald ein Zwanzig-Kilo-Sack Blumenerde nach oben zu schleppen ist.

Emanzipation, ach!

Bewertungen

  1. Der Klappentext verspricht Miniaturen. Das waren sie auch, ganz fein gezeichnete Szenen aus dem Leben. Auch wenn sie nicht ausdrücklich als autobiografisch bezeichnet wurden, so bin ich doch überzeugt, dass sie sich so oder ähnlich zugetragen haben.
    Ich mag die klare Sprache, mit der die Autorin Geschichten erzählt. Unspektakulär wird in das Leben hinein gehorcht. Mit Lebenserfahrung und Weisheit zieht die Autorin Schlüsse aus den beschriebenen Szenen und Situationen.
    Mehrmals blieb mir fast die Sprache weg. Ich fand mich wieder in den Miniaturen, weil ich einiges genau so empfand, weil ich ähnliche Erfahrungen im Leben gemacht habe, auch wenn ich es mit anderen Worten beschrieben hätte.
    Ich las diese kleinen Kunstwerke vor dem Schlafen, zum Abschluss des Tages und sie haben mich immer außerordentlich entspannt und zufrieden zur Ruhe kommen lassen.
    Wenn ich ein Buch nicht nur lese, sondern auch Zettel darin hinterlasse, wenn ich sogar mehrmals hineinsehe und einzelne Aussagen wie Aphorismen notiere – dann hat es wirklich Eindruck hinterlassen.
    Ganz im Sinne von Joseph Conrad: „Das Ziel des Schreibens ist es, andere sehen zu machen.“
    Sabine Hennig-Vogel

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